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Am 10. Mai 2011 veranstaltete das Auswärtige Amt in Kooperation mit dem Projekt der VDW "Zukunft der Ernährung" das 28. Forum Globale Fragen mit dem Titel:

 

(Kein) Brot für die Welt?- Ernährung in der Krise

Link zur Ansprache von Außenminister Westerwelle

 

(Kein) Brot für die Welt?- Ernährung in der Krise, unter diesem Motto stand das 28. Forum Globale Fragen im Auswärtigen Amt, das in Kooperation mit der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler im Rahmen des Projekts Zukunft der Ernährung am 10. Mai in Berlin veranstaltet wurde.

 

Getreu der Veranstaltungstradition des Forums Globale Fragen versammelten sich mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, staatliche und nichtstaatliche Akteurinnen und Akteure der internationalen Politik in Deutschland zu einem inspirierenden Meinungsaustausch rund um das Thema Welternährungssicherung.

 

Auf die Eröffnung durch Bundesminister Guido Westerwelle und die einleitende, sehr persönliche Rede von Tewolde Berhan Gebre Egziabher, deren Hauptaugenmerk auf der Gesunderhaltung natürlicher Kreisläufe und Ökosysteme lag, folgten anschauliche Beispiele für moderne und nachhaltige Projekte der Ernährungssicherung in Ostafrika vorgetragen von der der Co-Vorsitzenden des Weltagrarberichts (IAASTD) Judy Wakhungu.

 

Dem Umfang des Themenkreises geschuldet, widmeten sich die Panels drei ausgewählten, aktuellen Fragen: der Verquickung von Ernährungskrisen und politischen Konflikten; Landnutzung, Landrechte und Agrarinvestitionen und den Defiziten und Chancen einer globalen Steuerung der Welternährungsarchitektur.

 

Mit der Diskussion um das Erneuerungspotential von Konflikten zugunsten eines Mehr an politischer Stabilität und Ernährungssicherheit begann das erste Panel verbunden mit dem Appell für einen grundsätzlich gewaltfreien Umgang mit vor allem aktuell verstärkt aufkommenden politischen Konflikten.

„Wem gehört das Land?“ fragte Christiane Grefe die Panelisten der zweiten Runde, und moderierte damit eine der aktuell meistdiskutierten Fragen im Bereich der Ernährung und Landwirtschaft. Tewolde Berhan und Angelika Hilbeck überzeugten mit ihren Positionen zu den beiden am häufigsten kursierenden Misskonzeptionen verbunden mit Landinvestitionen. Vor allem in Tewoldes Berhans Darstellungen wurde deutlich, dass wir es global und gerade in den Ländern, die aktuell von dem sogenannten Landgrabbing betroffenen Ländern mit eine Pluralität von Eigentumsauffassungen zu tun haben, die kulturell bestimmt und sehr verschieden sein können. Die Bedrohung dieser in Gemeinschaftseigentum verwalteten Ländereien wurde als Fallbeispiel von Michael Windfuhr dankenswerter Weise beigesteuert. Angelika Hilbeck verwies auf die Notwendigkeit einer Differenzierung von Landnutzungen zur Erzeugung von Rohstoffen- mit den impliziten Markt- und Konkurrenzmechanismen- und der Nutzung zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, die der Ernährungssicherung dienen. „Arme Menschen konkurrieren mit Märkten um essbare Rohstoffe, ohne deren Regeln zu kennen- eine Investition in Land per se wird so das Ernährungsproblem nicht lösen.“

Das dritte Panel war der Welternährungsarchitektur gewidmet und u.a. mit zwei Vertretern der FAO besetzt, die übereinstimmend zu dem Schluss kamen, dass die globale Steuerung der Welternährungssicherung einer Umgestaltung und massiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bedarf.

 

Abschließend fasste Stephan Albrecht die Erkenntnisse der Veranstaltung rund um den Kern einer nachhaltigen Ernährungsperspektive zusammen. Den Beitrag finden Sie hier zum Download.

 

 

 


Einladungstext:

Seit der Nahrungsmittelkrise von 2008 steht das Thema „Ernährungssicherung“ wieder oben auf der Tagesordnung der internationalen Agenda. Seitdem hat sich die Lage zwar „stabilisiert“, aber nicht wirklich gebessert – auch 2010 mussten etwa 950 Mio. Menschen an Hunger und Unterernährung leiden. Auch zeigte sich in den letzten Monaten erneut ein Aufwärtstrend bei den Nahrungsmittelpreisen. Und die Herausforderungen steigen noch: Bis 2050, so wird geschätzt, wird die Weltbevölkerung auf über 9 Mrd. anwachsen. Nach Schätzungen desInternationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) muss die Nahrungsmittelproduktion stark steigen, um all diese Menschen zu ernähren! Und dies, so eine zentrale Erkenntnis des Weltagrarberichts, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu schädigen.
Gleichzeitig üben v.a. die Klimaveränderungen, steigende Energiebedarfe, geändertes Konsum- und Ernährungsverhalten in sich entwickelnden Gesellschaften und nicht zuletzt politische Krisen und gewaltförmig ausgetragene Konflikte Druck auf Nahrungsmittelproduktion und -verteilung aus. Dabei gibt es in jedem Land und jeder Region spezifische Konstellationen und Krisensyndrome, die spezifische Problemlösungen erfordern. Es kann vor diesem Hintergrund nicht überraschen, dass im Zusammenhang mit möglichen Verschlechterungen der Nahrungsmittelversorgung auch über potentielle Risiken für die politische Stabilität von Staaten und Regionen diskutiert wird, bis hin zu Szenarien, die vor „Kriegen umNahrung“ warnen.
Die Antworten der internationalen Gemeinschaft auf diese Herausforderungen sind so vielfältig, kompliziert und auch widersprüchlich wie die Ursachen von Hunger und Nahrungsunsicherheit. Eine unübersichtliche Vielfalt von Akteuren und Organisationen – staatlichen wie nichtstaatlichen – widmet sich der Bekämpfung des Hungers. Die Ungereimtheiten dieses Systems wurden in den letzten Jahren vielfach evident und haben Reformprozesse auch der internationalen Welternährungsarchitektur in Gang gesetzt, die eine bessere Koordinierung der einzelnen Akteure bewirken sollen. Gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Politik will das 28. Forum Globale Fragen einige Schlüsselfragen und Schnittstellen der Zukunftsfrage „Welternährung“ untersuchen und die sich daraus für die internationale Politik ergebenen Lösungsansätze diskutieren.

 

Programmflyer hier zum Download als PDF


Seit der Nahrungsmittelkrise von 2008 steht das Thema
„Ernährungssicherung“ wieder oben auf der Tagesordnung
der internationalen Agenda. Seitdem hat sich die
Lage zwar „stabilisiert“, aber nicht wirklich gebessert –
auch 2010 mussten etwa 950 Mio. Menschen an Hunger
und Unterernährung leiden. Auch zeigte sich in den letzten
Monaten erneut ein Aufwärtstrend bei den Nahrungsmittelpreisen.
Und die Herausforderungen steigen
noch: Bis 2050, so wird geschätzt, wird die Weltbevölkerung
auf über 9 Mrd. anwachsen. Nach Schätzungen des
Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung
(IFAD) muss die Nahrungsmittelproduktion stark
steigen, um all diese Menschen zu ernähren! Und dies,
so eine zentrale Erkenntnis des Weltagrarberichts, ohne
die natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu schädigen.
Gleichzeitig üben v.a. die Klimaveränderungen, steigende
Energiebedarfe, geändertes Konsum- und Ernährungsverhalten
in sich entwickelnden Gesellschaften und
nicht zuletzt politische Krisen und gewaltförmig ausgetragene
Konflikte Druck auf Nahrungsmittelproduktion
und -verteilung aus. Dabei gibt es in jedem Land und
jeder Region spezifische Konstellationen und Krisensyndrome,
die spezifische Problemlösungen erfordern. Es
kann vor diesem Hintergrund nicht überraschen, dass im
Zusammenhang mit möglichen Verschlechterungen der
Nahrungsmittelversorgung auch über potentielle Risiken
für die politische Stabilität von Staaten und Regionen
diskutiert wird, bis hin zu Szenarien, die vor „Kriegen um
Nahrung“ warnen.
Die Antworten der internationalen Gemeinschaft auf
diese Herausforderungen sind so vielfältig, kompliziert
und auch widersprüchlich wie die Ursachen von Hunger
und Nahrungsunsicherheit. Eine unübersichtliche Vielfalt
von Akteuren und Organisationen – staatlichen wie
nichtstaatlichen – widmet sich der Bekämpfung des
Hungers. Die Ungereimtheiten dieses Systems wurden in
den letzten Jahren vielfach evident und haben Reformprozesse
auch der internationalen Welternährungsarchitektur
in Gang gesetzt, die eine bessere Koordinierung
der einzelnen Akteure bewirken sollen. Gemeinsam mit
Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der
Politik will das 28. Forum Globale Fragen einige Schlüsselfragen
und Schnittstellen der Zukunftsfrage „Welternährung“
untersuchen und die sich daraus für die internationale
Politik ergebenen Lösungsansätze diskutieren.